Canon EOS-1D X Mark III

Die Königin ist tot, es lebe die Königin!

Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III
Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III

Die Ablösung des Flaggschiffs nach drei Jahren und neun Monaten, ist gekommen. Die EOS-1D X Mark III löst die EOS-1D X Mark II ab!

Die Spitze im Kamerabau hat eine neue Generation, die es in den Eingeweiden hat. Nie zuvor ist eine grundlegende Neustruktur im Inneren vorgenommen worden wie bei dieser.

Dieser Artikel beschäftigt sich weitgehend nur mit Dingen die anderswo gar nicht besprochen oder nur angerissen werden. Alle anderen neuen tollen Funktionen werden hier nicht nochmal wiedergekaut, das können Sie getrost anderswo lesen.


Inzwischen ist ja schon viel geschrieben worden, gerade von den einschlägigen Redakteuren der Onlinemagazine, die Meisten waren nämlich zu Canon eingeladen worden, um ein Vorserienexemplar bestaunen zu dürfen. Man gab ihnen einige technische Details mit auf den Weg und dann schrieben sie los. Leider ohne nachzudenken und zu recherchieren, darum ist Stand 20. Januar 2020 kein Onlineartikel korrekt. Ein großes Fotoinfoportal habe ich sogar, nach dem ein “Review” über sie online ging, angeschrieben und einige falsche Informationen angesprochen bzw. klargestellt, leider sind nicht alle korrigiert worden, obgleich ich zudem eine Canoneigene Stellungnahme auf eine Frage von mir, weitergereicht habe, bezüglich eines Punktes über die der Autor nicht sprechen wollte. So zieht sich das, mehr oder weniger, durch alle professionellen und kommerziellen Onlineauftritte durch.

Leider bedenken die Wenigsten was das überhaupt für eine Kamera ist, wo sie herkommt, was sie soll, was sie schon immer war und wer sie überhaupt kaufen soll! Alle tun so, als wäre einfach eine neue Kamera für den Amateur auf dem Markt. Aber die Hersteller Canon und Nikon, als diejenigen die für ganz klare Berufsfotografengruppen Kameras herstellen, haben eben diese nicht als Zielgruppe. Das sollte einem eigentlich klar sein, wenn man anfängt diese zu bewerten bzw. sie zu “erklären”! “Haupt”zielgruppen sind:
• Berufsfotografen im internationalen und nationalen professionellen Sportbereich (im Wesentlichen bei Großveranstaltungen) • die Fotojournalisten/Presseagenturen • Kriegs-/Krisenfotografen • Wildtierfotografen. Das war’s! Für diese ist die EOS-1 Klasse konzipiert worden. Weitere Zielgruppen sind dann im lokalen Sportbereich zu sehen, sowie Outdoorfotografen jeglichen Genres (die unter widrigen Umweltbedingungen arbeiten).

Es gibt noch einige andere die diese EOS-1 Kameras auch nutzen und Canon freut sich darüber, aber sie sind halt nicht Hauptzielgruppe. Unter dieser Ägide darf die Kamera nur bewertet werden. Weil diesmal Videokonfigurationsmöglichkeiten aus dem Profibereich hinzugekommen sind, kommt eine neue Berufsgruppe als Zielgruppe dazu, die Indiefilmer (fehlt jetzt nur noch der XLR-Anschluss 😉 )


Selbstverständlich bekommt jede neue Kamera, gegenüber dem alten Modell, schöne neue Features, vieles wird auch immer “runderneuert”. So auch bei der Mark III, aber sie wurde auch in einem Maße verändert, das sie u. a. auch mit Traditionen gebrochen hat.

Sehr interessant ist, dass der Monitor nun seine Wiedergabefrequenz anpassen kann. Wenn Videos in der Kamera abgespielt werden, steuert die Kamera den Monitor mit höheren Frequenzen an, um Videos noch besser wiedergeben zu können. Mich hat das zwar nie gestört, aber ich bin ja auch kein originärer Filmer.


Anscheinend hat Canon (auch ein großer Silizium-Waferhersteller und ein noch größerer Hersteller von solchen Produktionsmaschinen), eine neue Technologieknotengeneration erreicht und die Strukturgröße seiner Halbleiter so stark verkleinern können und gleichzeitig den Bus- und DiG!C-CPU-Takt so stark erhöht, das die CPU einen Heatspreader (Kühlblech) benötigt.

Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III
Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III

Das ergibt, im Zusammenhang mit der der Aussage Canons, die Platinen seien neu, Sinn. Denn das gehört zwangsläufig dazu! Die Platinen müssen ab einer gewissen Struktur nicht nur ein neues Layout bekommen, sondern die SMD-Platinen (Surface Mounted Devices) müssen im Bereich der Multilayer, bei höherer Spannung, erhebliche Änderungen vorgenommen werden, gerade was parasitäre Induktivitäten betrifft. Auch dazu gehört, das sich der Stromverbrauch verringert (trotz Erhöhung des Bustaktes) und somit eine höhere Auslösezahl erreicht werden kann, diesmal eine massive Erhöhung um mehr als 50%. Eine solche Steigerungsrate gab es noch nie. Das Alles ist zwar mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, gleichwohl bleibt es von mir eine Annahme!


Was im Bereich der Sportveranstaltungen eine unterschätzte neue Fähigkeit ist, ist das die Kamera in der Lage sein kann, nach einer Trennung vom LAN-Kabel, sich automatisch mit einem, vorher konfigurierten, WLAN zu verbinden, ohne das der Fotograf etwas tun muss! Eine Funktion die bei Notebooks seit Äonen eine Selbstverständlichkeit ist, aber im Kamerabau sträflich vernachlässigt wurde.


Zum ersten Mal, nach fast 50 Jahren in der 1’er Klasse seit 1971, kann die Mattscheibe nicht mehr gegen ein anderes Modell gewechselt werden! Das ist wirklich eine Abkehr von fast 50 Jahren Tradition, ein echtes Novum! Realistisch betrachtet ist das allerdings sehr wahrscheinlich auch nur konsequent, wenn man betrachtet ob die Fotografen überhaupt noch Mattscheiben wechselten, denn die die es für Spezialanwendungen gab zum Wechseln, stammen alle noch aus der analogen Filmära.


Der AF-Sensor

Seit 1987 bauen die meisten SLR und DSLR aller Hersteller Zeilensensoren für den AF-Sensor. Die bisher höchste Ausbaustufe hielt mit der 1D X einzug.

Hier wurden die einzelnen Pixel, die immer in Zweierreihen leicht verschoben angeordnet sind, kleiner gemacht, damit erreichte man eine höhere Nachführpräszision. Das wurde nun mit der Mark III komplett verändert. Zwar ist es immer noch ein Chip in CMOS Bauweise, doch ab nun wurden anstatt von Zeilen, alle drei Bereiche vollständig mit Dioden ausgefüllt. Damit sind lt. Canon nun auch erheblich mehr AF-Felder möglich.

Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III
Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III

 

Aber im Grunde genommen hat sich bei den AF-Feldern nicht viel verändert, außer das Ihre schiere Anzahl, jetzt sehr hoch ist. Allerdings ist bisher nirgendwo erwähnt worden, das zwar die “Performance” für kontinuierlichen Autofokus, auch durch bessere Algorithmen etc. stark verbessert wurde, aber für den “One Shot”-Bereich wichtige Doppelkreuzsensoren/AF-Felder sind von ehemals fünf vier weggefallen. An der Mark II hatten wir in der Mitte noch fünf, jetzt nur noch den in der Mitte, schade. Gleichwohl ist ja die Anzahl der “normalen” Kreuzsensoren drastisch angestiegen. Also Jammern auf hohem Niveau, gleichwohl erwähnenswert.

Ja, verbesserter Algorithmus, Deep Learning Programmierung, stärkere dedizierte CPU für den AF, dass alles wird den Nachführautofokus mit Sicherheit erheblich verbessern. Die Sport- und Wildtierfotografen wird es erfreuen!


Der Spiegelantrieb

Was vollmundig als komplett neue Konstruktion angepriesen wird, ist in der Tat “nur” eine notwendige Weiterentwicklung, was viele Radakteure nicht verstehen, weil sie die Hinstorie nicht kennen.

Die Neuerung betrifft die extreme Auslösezahl von 16 Bildern mit AF-Nachführung. Seit man sich mit der EOS-1D X der Dämpfer für den Hauptspiegel annahm, da die sehr hohe Geschwindigkeit enorme Vibrationen beim AF-Sensor verursachte, musste bei der 1D X Mark II neu gedacht werden. Während man bei bis zu 12 Bildern in der Sekunde noch auf die Kraft eines Federmechanismusses vertraute, war das mit der Erhöhung auf 14 nicht mehr möglich. Der Federmachanismuss hat den Spiegel einfach schlagartig nach oben geklappt. Mit der Mark II hat man dann den Spiegel per Motor “geführt” um im Wesentlichen die Vibrationen unter Kontrolle zu bringen. Bei dieser kontrollierten Führung, spielt die Nocke eine wichtige Rolle. Die enormen Vibrationen sind gefährlich für den präzisen Autofokussensor. Denn bei jedem Zurückklappen in die Ausgangstellung muss der Sensor den Fokus neu berechnen; wenn die Vibrationen zu stark werden, nimmt die Exaktheit ab. Nebenbei hatte man dann auch noch einen kernlosen Motor eingeführt.

EOS-1 D X Mark II Spiegelmechanismus
EOS-1 D X Mark II Spiegelmechanismus

A: Verzögerungsnockenmechanismus
B: Hauptspiegelausgleich
C: Motoreinheit für Spiegel
D: Hauptspiegelhalter
E: Hauptspiegelausgleich
F: Sekundärspiegelhalter
G: Sekundärspiegelausgleich
H: Sekundärspiegelsperre
I: Hauptspiegelschloss
J: Hauptspiegelausgleich

EOS-1 D X Mark II Spiegelmechanismus
EOS-1 D X Mark II Spiegelmechanismus

A: Stoßdämpferhebelmechanismus
B: Sekundärspiegelausgleich
C: Verzögerungsnockenmechanismus
D: Sekundärspiegelstopper
E: Hauptspiegelausgleich
F: Sekundärspiegelausgleich
G: Motoreinheit für Spiegel

Bei der Mark III ist es im Wesentlichen genauso, allerdings hatte man, mit der weiteren Erhöhung, ein Problem welches vorher bei “nur” 14 Bildern und dem AF-Zeilensor nicht auftrat. Der Hilfsspiegel für die Ablenkung zur AF-Einheit im Boden, war zwar direkt mit dem Hautpsiegel verbunden, allerdings war das “Bremsen” dieses kleineren Spiegels nun zum Problem geworden. Der Hauptspiegel der Mark II war geführt worden, also das Zurückklappen und wieder Aufklappen, jede Bewegung war kontrolliert, es federte nichts zurück. Aber nun federte der kleine Spiegel beim wieder Aufklappen, er blieb nicht sofort stehen, sondern er federte minimalst kurz zurück, weil der ja zwar direkt mit dem Hauptspiegel verbunden war aber nicht kontrolliert sondern nur indirekt über den Hauptspiegel geführt wurde. Diesem Problem hatte man sich nun angenommen. Man verband den Hilfsspiegel nun direkt mit dem Motorantrieb. Nun sind beide Spiegel direkt durch den Motor geführt.

EOS-1 D X Mark III Spiegelmechanismus
EOS-1 D X Mark III Spiegelmechanismus

A: Verriegelungshebel des Sekundärspiegels
B: Sekundärspiegel
C: Hauptspiegel
D: Neues Motor-Direktantriebssystem


Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III
Canon Pressefoto EOS-1D X Mark III

Für die meisten ist eine Kamera der 1’er Serie eine Actionkamera, ja das ist sie auch, aber Abseits der Vorstellung das die Kamera nur “Performance” kann, darf nicht vergessen werden, sie ist die langlebigste, robusteste und ergonomischste Kamera die Canon zu bieten hat. Man muss kein Actionfotograf sein. Die Kriegsfotografen oder die Naturfotografen z. B., sind nicht zwangsläufig auf 16 oder 20 Bilder je Sekunde angewiesen. Bei ihnen liegt der Schwerpunkt auf den Umweltbedingungen in denen sie fotografieren. Extreme Hitze in Wüstengebieten, Kälte an den Polen, Feuchtigkeit in den Subtropen, Stöße in Krisen und Kriegen muss sie übersich ergehen lassen und trotzdem noch funktionieren und das tun die Kameras der 1’er Klasse. Während bei allen anderen Klassen die Wahrscheinlichkeit höher ist, das sie ausfallen. Auch für mich zählt bei meiner Mark II primär die Verlässlichkeit. Die 16 Bilder je Sekunde, nutze ich zwar, aber selten. Viel wichtiger ist, das sie lange ohne Defekt funktioniert.


Canon hat zur Vorstellung, ebenfalls zwei Whitepaper zur neuen EOS-1D X Mark III herausgebracht. Für das normale Fotografieren und das Aufnehmen von Videos, ein weiteres für Netzwerk, soll noch kommen.

Canon Whitepaper EOS-1D X Mark III – Still Imaging – Fotografie

Canon Whitepaper EOS-1D X Mark III – Video Recording – Videoaufnahme

 


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